Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Zawinul 11.9.2007)
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Joe Zawinul stirbt am 11. September 2007
Vor ein paar Jahren sang Joe Zawinul - begleitet von über zwanzig Musikern aus Afrika und Amerika – den „Erdäpfel Blues“. Verstanden hat den bloß das Theaterhauspublikum, die Mitmusiker, spielten halt einen Blues. Das allerdings taten sie unter Anleitung ihres legendären Keyboarders derart fulminant, dass die Wände wackelten. Zawinul, kein Leisetreter, gefiel das. Er sang von seiner Kindheit im Wiener Armenviertel Erdberg, von den geschätzten Kartoffeln und seinen Eltern, die „leider gschturbn san. Mir müssn weitermachn ohne sie.“ Jetzt ist er selbst gestorben und wir müssen ohne ihn weitermachen.
75 Jahre alt ist der geworden, dessen Todestag der 11. September ist. New York und Wien sind die beiden Pole, zwischen denen Zawinuls Leben oszillierte. „Sein Herz gehörte Wien, seine Seele dem Jazz“, kommentierte der österreichische Vizekanzler Wilhelm Molterer den Tod seines Landmannes. Mit Bundeskanzler Thomas Klestil, auch er in Erdberg aufgewachsen, verband Zawinul eine lebenslange Freundschaft.
Doch seinen Ruhm begründete er in der Hauptstadt des Jazz, in New York. Der Hochbegabte, der immer stolz auf seine Sinti- und Roma-Wurzeln war, spielte nach einem Stipendium am Wiener Konservatorium, wo er sich mit Friedrich Gulda anfreundete, in der Band von Hans Koller, um dann den Sprung über den Großen Teich zu wagen.
Zawinul greift bei Ella Fitzgerald in die Tasten, schreibt für Cannonball Adderley „Mercy, Mercy, Mercy“, heiratet das erste schwarze Playboy-Bunny Maxine, wird von Maynard Ferguson engagiert, und schließlich vom großen Miles selbst. In Davis’ Band macht Zawinul Furore, räumt mit eingefahrenen Hörgewohnheiten auf und schreibt mit „In A Silent Way“ und „Bitches Brew“ Jazzgeschichte. Er bedient meisterhaft das E-Piano und die Hammond-Orgel B 3. Dreißig Mal, auch dieses Jahr, wählt ihn das Musikmagazin Downbeat zum Keyboarder des Jahres! Mit Freund Gulda nimmt er allerdings zwischendurch ein klassisches Konzert für zwei Klaviere und Orchester auf.
Dann gründet er mit Wayne Shorter die legendäre Jazzrockformation Weather Report, komponiert 1977 „Birdland“ und experimentiert weiter im Zawinul Syndicate.
Überall fasziniert er als Fusionpionier, als Tonalchimist, als begnadeter Musikant und Tastenkünstler, als einer, der über den Tellerrand des Jazz hinausblickt: auf Funk und Soul, auf afrikanische Klanglandschaften und Rhythmen. Nicht umsonst nannte sich Zawinul „Begründer des Ethno-Jazz“ und „Erfinder des Hiphop-Beat“ (,was nachzuhören ist auf dem Album Sweetnighter von 1973!).
Vor drei Jahren kehrte er nach Wien zurück und spielte im eigenen Club Zawinul’s Birdland, gründete mit Birdjam ein Plattenlabel, engagierte sich für heimatlose Kinder aus New und schrieb „Mauthausen – vom großen Sterben hören“, eine eindringliche Komposition zum mahnenden Gedenken an Naziopfer.
Gestern Morgen kurz vor fünf erlag Joseph Zawinul im Wiener Wilhelminenspital einer Krebserkrankung.
~ Thomas Staiber